GEMEINDE-
ZENTRUM
LECHFELD

Die evangelisch-lutherische Versöhnungskirche in Lechfeld nahe Augsburg wurde 1966 als Garnisonskirche eingeweiht. Der Kirchenbau von Theodor Henzler grenzt direkt an ein Militärgelände an und ist typisch für die Nachkriegsmoderne: Die geschlossene Form auf trapezartigem Grundriss wird durch eine achtzackige, markante Krone abgeschlossen. Ein spitzer Glockenturm bildet den Eingang zum Ensemble, das von einem Gemeindezentrum komplettiert wurde.

Das in die Jahre gekommene Gemeindezentrum wurde renovierungsbedürftig – außerdem war es für die Gemeinde zu groß geworden. 2009 genehmigte die Bayerische Landeskirche einen Neubau – ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, den wir für uns entscheiden konnten. Aufgabe war es, ein im Vergleich zum Vorgängerbau kleineres Gemeindehaus zu planen, das aber dennoch groß genug ist, um den Kirchplatz zu fassen und ein ausgewogenes Gegenüber zur Kirche zu bilden. Es sollte auch formal auf den Kirchenbau reagieren.

Ausgangspunkt unserer Überlegungen bildete der prägende Kirchplatz mit seinem elliptischen Mosaik aus Pflastersteinen, von dem man Zugang zur Kirche und Gemeindehaus hat. Kirche und Gemeindehaus stehen sich hier gegenüber und beziehen sich aufeinander. Unser Entwurf basiert auf zwei Aspekten: dem der räumlichen Gegenüberstellung und der Adaption von Material und Formen.

Das neue, 2014 eröffnete Gemeindehaus ist als eingeschossiger, kompakter Baukörper mit Flachdach konzipiert und bezieht sich in seinen Abmessungen auf den Kirchenbau. Das prägende Material der Versöhnungskirche ist der Ziegelstein, der auf ihrer Fassade als plastisches Relief erscheint. Die Fassade des Gemeindehauses, dessen tragende Struktur aus Beton besteht, nimmt diese Materialität auf, indem sie Ziegel- im Wechsel zu Betonflächen zeigt. Der Versatz der Flächen verweist auf die Zacken der Kirchenkrone. So entsteht auch durch die Materialität der Eindruck eines Ensembles.

Erschlossen wird das Gemeindehaus über den Kirchplatz. Man betritt ein großes Foyer, wovon linkerhand der große Gemeindesaal abgeht, der mit dem Foyer für größere Veranstaltungen durch Öffnen der Schiebetüren zusammengeschaltet werden kann. Des Weiteren befinden sich noch zwei Gruppenräume, Büro, Küche, Toilettenanlagen und Technikraum im Gebäude. Insgesamt verfügt das Haus so über eine Bruttogeschossfläche von 900 m2. Sichtbeton wechselt sich mit Holzverkleidung und orangefarbenen Wänden ab. Raumhohe Türen und Fenster verbinden die Räume mit der außenliegenden Natur.

Im ursprünglichen Entwurf war außerdem ein Arkadengang geplant, der den Hof abschließen und die beiden Gebäude verbinden sollte. Diese Idee wurde allerdings aus Kostengründen wieder aufgegeben.