LILO
SPACE
MÜNCHEN

Die Arbeitswelten verändern sich: Mehr Home Office und Remote Work stellen komplexe Herausforderungen an eine zeitgenössische Bürogestaltung. Gerade in die Jahre gekommene Häuser in B- und C-Lagen haben es hier nicht gerade einfach. Dies trifft auf den Bürokomplex an der Lilienthalallee in München Freimann im Norden der bayrischen Hauptstadt zu: Die drei Gebäude, die insgesamt rund 45.000 Quadratmeter messen und 5 bis 6 Geschosse hoch sind, wurden 2002 von Architekt Walter Lehneis geplant und entsprechen nicht mehr den heutigen Standards an New Work. Die Eigentümerin GVG kam auf Olufemi Moser mit dem Wunsch zu, die Gebäude nach dem Auszug eines großen Hauptmieters nachhaltig zu revitalisieren und für kleinteiligere, flexibel gestaltete Full Service Office-Einheiten modern aufzubereiten. Zusammen mit den Auftraggebenden sowie Michael Schmutzer, dem Gründer von Design Offices, entwickelten wir ein ganzheitliches Konzept aus Innenarchitektur und Architektur, das in eine umfassende Markenstrategie eingebunden ist.

Der Komplex befindet sich an einem spannenden Ort: Inmitten eines gemischten Gewerbegebiet mit starken Magneten wie der Zenith-Halle oder der Motorworld und auch nahe Unterföhring sowie der Parkstadt Schwabing, wo viele große Firmen wie BMW, Microsoft, Amazon oder ProSiebenSat1 ansässig sind. Ursprünglich befand sich auf dem Gelände auch ein Eisenbahnausbesserungswerk. Der Straßenname „Lilienthalallee“ inspirierte uns, indem wir mit dem Markennamen „LILO“ Bezug nehmen auf Otto Lilienthal, deutscher Luftfahrtpionier im 19. Jahrhundert, und dadurch den, und was für „Lilienthal Lofts“ steht. Passend zu diesem Genius Loci entschied sich der Bauherr für „Gründertum“ als Leitidee zur Transformation aller drei Häuser. Attribute wie jung, offen, flexibel und international waren grundlegend für die Gestaltung, die sich letztendlich an eine Zielgruppe von innovativen Unternehmen und Start-ups richtet. Als Corporate-Farbe über alle drei Häuser hinweg wählten wir Gelb, da diese frisch, jung, kraftvoll und zuversichtlich wirkt. Sie kommt sowohl im gesamten Interieur als auch im Sockelbereich der Außenfassade vor und ist die Corporate-Designfarbe von „LILO“.

Der Fokus der Revitalisierung der Häuser war, das Gebäude mit Hausnummer 34, das im Winkel der im Dreieck platzierten Gebäude liegt, mit rund 16.700 Quadratmetern Bruttogeschossfläche als zentrales Haus von „LILO“ aufzubereiten. Haus Nummer 32 und Haus Nummer 36 werden sukzessive umgebaut. In Haus 34 befinden sich neben Multispace-Büros eine Vielzahl an Gemeinschaftsflächen samt Services, die sowohl von allen Mieter:innen als auch von externen Besucher:innen genutzt werden können. Man kann Einzelbüros ab 15 Quadratmetern, Meeting- und Veranstaltungsräume bis hin zu gesamten Etagen mieten, die in drei Nutzungskategorien „LILO WORK“, „LILO MEET“ und „LILO OFFICE“ angeboten werden. Die Büroflächen im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss sind voll möbliert und ausgestattet und damit sofort bezugsfertig („LILO OFFICE“). Die Etagen 2 bis 4 sind im „LILO“-Look vorbereitet und kurzfristig beziehbar („LILO WORK“). Als Betreiber ist Accumulata Operations für alle Mieter:innen im LILO Ansprechpartner und kümmert sich um den operativen Betrieb. Highlight in Haus 34 ist die Rooftop-Lounge im 5. Obergeschoss. Die Lobby, das Daily sowie die Community Area auf der Galerie im Erdgeschoss und das 1. Obergeschoss laden zum lockeren Co-Working und zum Austausch ein. Im Erdgeschoss befindet sich zudem die Work Lounge, die durch ein Glasdach licht und hell erscheint.

Die Geschichte der elementaren Erfindungen und Ingenieurskunst wird durch den maschinellen und technischen Loft-Charakter zum Ausdruck gebracht: durch Sichtbeton, Streckmetall oder Hartfaserbelag. Größtenteils offene Decken und sichtbare Installationen unterstreichen diese technische Atmosphäre. Eine eigens angefertigte Lichtskulptur an der Decke ahmt den Vogelzug nach und verweist damit auf Otto Lilienthal. Das „LILO“ versteht sich als Betriebssystem und leichtgängige Plattform für die Firmen in der Umgebung: Mit seinen hochwertig ausgestatteten und gemeinschaftlichen Flächen-Angeboten bietet es nicht nur Arbeitsraum, sondern es verbindet auch die Menschen und Unternehmen untereinander.

Zentrale Idee war es, die Revitalisierung so ressourcenschonend wie möglich zu gestalten und damit viel Substanz zu erhalten. Zunächst haben wir dafür ein Screening der vorhandenen Ausstattungen und Materialien vorgenommen und daraufhin kontrolliert zurückgebaut. So wurden etwa der bestehende Nadelvliesboden, einige Türen und die Hohlraumplatten wiederverwendet. Die abgehängten Decken wurden vollkommen entfernt, sodass die rohen, mit Haustechnik versehenen Betondecken zum Vorschein kommen. Wohnlich wirkende Möbel, abgepasste Teppiche und viel Grün innen wie außen vermitteln einen warmen, willkommenen Charakter. Darüber hinaus wurden weitestgehend natürliche und nachhaltige Materialien für die Innenräume verwendet. Für die Raumkühlung kommt das Gebäude mit der bestehenden Klimatisierung aus, geheizt wird per Fernwärme. Car- und Bike-Sharing sowie E-Ladestationen in den Tiefgaragen (1. und 2. Untergeschoss) ergänzen das nachhaltige Service-Angebot von „LILO“.